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Langlaufen mit Köpfchen!

Mein Lieblingssport ist Schilanglauf. Das kann von meiner Begeisterung für Norwegen kommen, oder vom gleitenden Flow auf der Loipe, oder von der guten Laune, die sich durch Kälte in Verbindung mit viel Sauerstoff einstellt.

Bergauf mag diese Art des Schiwanderns mit leichtem Schi und flexibler Bindung anstrengend sein, die Fortbewegung ist aber unschwierig, weil Felle, Schuppen oder Belag ein Zurückrutschen verhindern. Apropos „rutschen“ - das ist ein Thema für die Abfahrt, und hier wird es spannend! Langlaufschi sind sehr rutschig, das ist der Zweck der Übung.

Ein klarer Fall für Mentaltraining!

Jeder Mensch hat - meist unbewusste - Vorstellungen vom eigenen Körper. Dieses Körperbild im Innersten prägt die äußere Erscheinung des Körpers, von der Mimik über die Körperhaltung bis hin zu komplexen Bewegungsmustern. Mit ein wenig Fantasie können wir mit diesen mentalen Körperbildern spielen, in der Absicht, uns selbst positiv zu steuern. Dann wird die steile Abfahrt auf leichten Langlaufschiern zum puren Vergnügen.

Spielchen Nr.1:

Ich stelle mir vor, dass ich auf meinen Fußsohlen die Loipe entlang gleite. Meine Füße haben die gewohnte Länge, Breite, Stabilität und Bodenkontakt. Die langen, rutschigen Schi denke ich mir einfach weg. Fühlt sich gut an.


Spielchen Nr. 2:

Eine dreiseitige Pyramide ist ein stabiler Körper, der nicht so ohne Weiteres zu Sturz kommt. Aber wie kommt die dreiseitige Pyramide auf die Wechsel-Panoramaloipe? Ganz einfach: in meinem Kopf. Hier verbinde ich - mental, als Vorstellung - vier interessante Punkte miteinander: linker Fuß, rechter Fuß, einander berührende Schispitzen und einander berührende Kniespitzen. Diese vier Punkte ergeben eine dreiseitige Pyramide, diese fällt nicht um, daher gelingt mir die Abfahrt entspannt und sicher.


Spielchen Nr. 3:

Je breiter die Füße, je größerflächig der Schneekontakt, desto solider der Langlauf. Zehn Zehen lassen sich zusammenkrampfen oder locker aufspreizen, das ist nur eine Frage der inneren Vorstellung und der Aufmerksamkeit für den eigenen Körper.

Spielchen Nr. 4:

Hier verlassen wir die Loipe für einen Exkurs zum Schlangenweg auf die Rax, Ende Oktober 2020. Windstill, sonnig, doch schon Schnee und Eis auf dem Untergrund - und ich ohne Wanderstöcke und Spikes unterwegs. Gute Laune und ein freier Kopf erzeugten die Eingebung, mir meine Zehen als Krallen vorzustellen. Sofort fühlte ich mich sicherer auf den Beinen und musste zugleich lachen: Geht eigentlich irgendetwas in meinem Leben noch ohne Mentaltraining? Wenn schon, denn schon, ich malte mir aus, wie es sich wohl anfühlt, als Vierbeiner hier hochzukraxeln … mit viermal fünf robusten Krallen. Gedacht, getan. Spielerisch formte ich Zweibeinerin feste Krallen in den dicken Handschuhen und erlebte, wie der Gang unwillkürlich breit und sicher wurde, die Knie federnd - es war eine beeindruckende Erfahrung.

Ein Impuls zum Spielen mit dem eigenen Körperbild. Probieren Sie es aus!


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